Samba-Geschichte(n)

Begonnen hat es mit der Entdeckung Brasiliens durch die Portugiesen im Jahr 1500. Nur dreieinhalb Jahrzehnte später wurden die ersten Sklaven aus Afrika nach Brasilien gebracht, um in den Zuckerrohrplantagen, später auch in den Tabak- und, ab etwa Mitte des 18. Jahrhunderts, in den Kaffeepflanzungen die Arbeit zu verrichten, die die ('christlichen') weißen Eroberer scheuten wie der Teufel das Weihwasser.

 

'Notwendig' war die Einfuhr afrikanischer Menschen geworden, weil die einheimischen Indianer es erfolgreich verstanden hatten, sich dem Arbeitseinsatz für die Eroberer zu entziehen - sie waren einfach fast ausgestorben an den durch die Europäer eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie keinen natürlichen Schutz besaßen. Entsprechend wird der Anteil der indianischen Bevölkerung in Brasilien heute auf gerade noch 200.000 bis 500.000 Köpfe geschätzt - Anno Domini 1500 sollen es zwei bis drei Millionen gewesen sein.

 

Die Vorfahren der afro-brasilianischen Einwohner Rios, Salvadors, Recifes usw. stammten vorwiegend aus den südlichen Gebieten Westafrikas (zu einem guten Teil wohl aus dem Bereich des heutigen Nigeria und Benin) und aus Angola (bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts portugiesische Kolonie) mitsamt seinem bis nach Zaire hinein reichenden Hinterland. In geringerem Umfang wurden auch Schwarze aus Mozambique an der Ostküste Afrikas (ebenfalls ehemals Kolonie Portugals) und aus dem Süd-Sudan nach Brasilien verkauft.

 

Die Zahl der Unglücklichen wird von den einen auf drei Millionen geschätzt, von anderen auf bis zu sechs Millionen. Dabei handelt es sich, wohlgemerkt, um diejenigen die lebend in Brasilien angekommen sind. Auf einen überlebenden Sklaven werden drei, vier, fünf Menschen gekommen sein, die bei der Sklavenjagd umkamen, Alte und Kranke, die als nicht mehr 'handelbar' einfach erschlagen wurden, und unzählige, die auf dem weiten Seetransport an Hunger oder Krankheiten elend verreckten.

 

Das einzige, was diese Bedauernswerten aus ihrer Heimat mit sich nehmen konnten, waren ihre religiösen und musikalischen (zu trennen ist das wohl ohnehin nicht) Überlieferungen, nirgends aufgeschrieben, aber in jeder einzelnen Seele tief verwurzelt. Diese Überlieferungen haben sich über die Jahrhunderte auf wundersame Weise erhalten und weiterentwickelt. Unter europäischem und indianischem Einfluß entstand etwa der 'Samba batucada', wie er aus dem Karneval in Rio de Janeiro bekannt ist, während sich im Candomblé (das ist keine Musikrichtung, sondern eine Religion, in der Musik eine wesentliche Rolle spielt) nicht nur die afrikanischen Gottheiten, sondern auch die afrikanischen Rhythmen beinahe unverändert erhalten haben (aus: http://www.mira-sol.de).

Die brasilianische Samba-Musik ist nicht nur "ein" Stil, sondern ein Überbegriff für ziemlich unterschiedliche nicht-religiöse Musik- und Tanzformen. Einige dieser Stile haben eigene Etiketten und Schubladen bekommen, so der Samba-Reggae, der in den 1980er Jahren in Salvador (Bundesstaat Bahia) entstand, Timbalada, Lambada, Maracatu, ...

 

Samba war ursprünglich eine Mischung aus den Rhythmen der westafrikanischen Sklaven mit indianischer und portugiesischer Musik, wobei der Hauptteil von den Sklaven stammt. Teilweise lassen sich die komplizierten Rhythmen zurückverfolgen bis zur Trance-Musik der Candomblé-Kulte, einige Sambas sind auch aus Sprachformeln in Portugiesisch und Yoruba entstanden, die verschlüsselte Nachrichten weitergaben, die die Sklaven nicht laut aussprechen durften. Elemente des angolanischen Semba flossen ebenso ein wie die böhmische Polka bzw. ihre spätere, brasilianisierte Form (Rancho aus Bahia), und die afrikanischen Batúques.

 

Der Begriff "Samba" ist seit 1838 aus schriftlichen Quellen bekannt und ersetzt ab dem beginnenden 20. Jahrhundert weitgehend den Begriff "Batuque". Für die Ableitung des Wortes "Samba" gibt es verschiedene Erklärungen: Die Ableitung vom angolanischen "Semba" (= "umbigada", Bauchnabelberührung) ist zweifelhaft, die Umbundu-Sprache kennt den Begriff "Esemba, Olisemba" mit der Bedeutung "Tanz zum Klatschen der Hände". Aus dem Kimbundu stammt "Disemba", aus dem Kikoongo "Masemba", beide bedeuten "gegenseitiges Berühren des Unterleibes" (= bedeutungsgleich mit "Umbigada"). Kimbundu kennt allerdings auch "Sesemba", "Tanz mit schlurfenden Füssen".

 

Um 1917 war Samba als eigene Musikform in Rio noch nicht klar abgegrenzt von Maxixe und Marcha. Der Samba-de-roda, "Samba im Kreis", wird im Recôncavo auch als Begriff für Samba allgemein verwendet und stellt wohl die am ursprünglichsten gebliebene Samba-Form dar. Charakterisiert ist diese Samba durch einen von den Anwesenden gebildeten Kreis, in dem die Tänzer/innen sich abwechseln, Solo und Refrain abwechselnd gesungen werden und die Beteiligten ihren Gesang durch Klatschen rhythmisch untermalen. Instrumente sind in dieser Urform nicht unbedingt nötig. Ganz wesentlich ist aber beim Samba-de-roda eine 16pulsige "time-line", eine asymmetrisch strukturierte Rhythmusformel, die auf einem markanten hochklingenden Instrument (Glasflasche, Glocke) oder durch Klatschen ausgeführt wird. Diese time-line heißt in der kubanischen Musik "Clave".

 

Im Normalfall weist Samba einen 2/4-Takt und ineinandergreifende, synkopierte Linien in Melodie und Begleitung auf. Das einfachste Samba-Pattern ist eine Klatsch-Formel, die heute noch in Bahia zu Sambas geklatscht wird. Die Besetzung für eine Sambagruppe reicht von winzigsten Ensembles (Pagode) über besagte Kreise (Rodas) bis zu bigbandartigen Orchestern in Konzertsälen (Gafieira) und den gigantischen Escolas de samba in Rio (alle Sambadetails im SambaWiki unter: http://www.capoeira-ma.de/content/sambaEncyclopedia.html).